Kerstin Schneggenburger • D-39615 Seehausen • Losenrade/Elbe 30
Tel.: 039 397 / 411 88
Atelier für künstlerische Buntpapiere


Die Lichtobjekte von Kerstin Schneggenburger haben mehrere voneinander unabhängige Bedeutungen: zunächst sind sie auch ökologische Gebrauchskunst von eindeutig praktischem Nutzen im Alltag, denn sie sind mit LED- und Energiesparbirnen ausgerüstet, verbrauchen nur ganz wenig Strom und haben eine nahezu unbegrenzete Lebensdauer und geben durch die handgefertigten Papierschirme schönes warmes, nahezu weihnachtliches Licht.
Sie haben aber auch eine psychologische, nahezu sakrale Dimension insofern als das warme Licht zum Träger der Hoffnung wird. Diese Deutung wird um so sinnfälliger als man noch den Charakter des Fahrzeuges oder manchmal auch des Hauses oder Gehäuses des Objekts mitbedenken muß. Es sind Barken und Burgen der Hoffnung und des Lichts, die K.S. für uns geschaffen hat.




Die Scharade des Lichts
Licht, das durch Blattwerk dringt, oder durch das Perlmutter des Schneckenhauses, die Flügel der Segelschiffe - durch Schnee - ist anderes Licht als das, was nackt vom wolkenlosen Himmel gleißt, uns aus Leuchtstoffröhren und Scheinwerfern anfällt oder als Bogenlampe die Nacht tiefer und schwärzer macht.
Bei den Arbeiten von K. Schneggenburger handelt es sich um Versuche, das Licht zu rehumanisieren - und zwar gerade auch das ganz modern technische - und ihm die alte, immer auch sacral verstandene Bedeutung zurück zu geben: als Trostspender, als Umkreis, wo sich Schönheit entfalten kann, als Ziel tastender Irrgänge durch undifferenziertes Dunkel.




Zur Schiffssymbolik im Werk von Kerstin Schneggenburger
Vergebens sucht der analytische Blick nach konstruktionsmäßigen Entsprechungen; in den Skulpturen der Seglerin, Tochter eines Schiffbauingenieurs, findet sich keinerlei Andeutung von Rahe, Gangspill oder Takelwerk, dem „laufenden oder stehenden Gut“, wohl aber von den dynamischen Gewalten des Windes und der Dünung, durch welche die Vorsehung den Fahrzeugen ihr individuelles Schicksal bereitet.
Es sind Schiffe, wie sie im mythologisierenden Denken der Seeleute entstehen: glückhafte, fluchgeschlagene, standhaft aus der Boe sich aufrichtende oder unerklärlich bresthafte, auch uralte, im Stadium langanhaltenden Zerfalls.
Dem über ein Fundstück Holz, einer elektrischen Birne, einer Papiercollage zwischen gebogenen Drähten meditierenden Blick erschließt sich ein Einblick in die Bedingtheit (auch Brüchigkeit) aller Existenz.
Das sind wohl in groben Umrissen die Gründe, weshalb diese kleinen Gebilde von mir und vielen anderen so sehr geschätzt werden.
Josef Waldow, 20.Mai 2014